Die drei Leben der A-9 des Bücker Fan Clubs Thun

(von Beat Knutti)

 

Die A9 in neuem Glanz (Foto: Benjamin Friedli)

 

Geschichtliches

Anfang 1936 musste sich die Schweiz nach einem geeigneten Schulflugzeug für die Piloten-Anwärter der Fliegertruppen umsehen. Nach der Erprobung verschiedener Flugzeugtypen, fiel die Wahl auf die Bücker 131 B. Vorerst wurden sechs Maschinen bei Bücker in Deutschland bestellt und der Truppe übergeben. 

Aufgrund der damals unsicheren Weltlage beschloss man, die BÜ-131 im eigenen Land in Lizenz herzustellen. Den Auftrag erhielt die AG für Dornier Flugzeuge in Altenrhein (damals Doflug genannt), die insgesamt rund 100 BÜ-131 bauten, wovon 78 ans Militär gingen. Diese Schulflugzeuge bewährten sich im Anfänger- und Akrobatiktraining während mehr als dreissig Jahren. Erst 1971 wurden alle noch vorhandenen Maschinen zurückgezogen, da sie ohne Funk und Blindlandeausrüstung den Anforderungen der Truppe nicht mehr gewachsen waren.

Das erste Leben der A-9

1937 ist das Geburtsjahr der A-9, die als erster Lizenzbau der Doflug Flugzeugwerke Altenrhein mit der Serie-Nummer 16 an die Fliegertruppe übergeben wurde. Damals verfügte das Flugzeug über einen Hirth HM 504 A-2 Motor des Hirth-Flugmotorenwerks aus Stuttgart-Zuffenhausen. Dieser Motor hatte eine Nennleistung von 112 PS und war als luftgekühlter 4-Takt-Motor mit 4 Einzelzylinder, hängend in Reihe angeordnet, mit Rückenflugvergaser inklusive mechanischem Höhenkorrektor ausgelegt.

Bis in die Siebzigerjahre diente die A-9 als Grundschulflugzeug der Schweizer Luftwaffe und war sicherlich auch öfters auf dem Militärflugplatz Thun zugegen. Mit der Ausmusterung aus der Luftwaffe im Jahre 1971 ging das erste Leben der A-9 zu Ende.

Das zweite Leben als HB-UUD

Als die Armee die Bücker-Flugzeuge veräusserte, fanden einige ihren Weg in Museen, und andere begannen die zivile Laufbahn. Die A-9 wurde damals mit einem Lycoming IO-320-E2A Boxer Motor ausgestattet, der über eine Nennleistung von 150 PS verfügt. Am 25. Juli 1973 begann das zweite Leben der A-9, die fortan beim Luftamt (heute Bundesamt für Zivilluftfahrt) als HB-UUD registriert, über Gruyères den Schweizer Himmel bereicherte.

Am 1. September 1979 übernahm der Kassier der neu gegründeten Interessengemeinschaft Bücker, Willy Seydoux, zusammen mit dem Präsidenten Hansueli Stauffer auf der AEK Thun den Betrag von CHF 45’000.00. Kurz darauf flogen die Gründerväter des heutigen Bücker Fan Club Thun mit der HB-OZD der Motorfluggruppe Thun nach Gruyères um die HB-UUD käuflich zu erwerben. Zusammen mit dem Thuner Ur-Gestein Housi Nyffenegger flog Hansueli Stauffer mit der gelb-grünen HB-UUD nach Thun. Andy Schwander ist als eines der damaligen Gründungsmitglieder noch heute Aktivmitglied in unserem Verein.

Bis zum Spätsommer 2016 war die HB-UUD ein gern gesehener Gast auf zahlreichen Flugplätzen und bei vielen Flug-Meetings. Unvergessen bleibt dabei auch die Tiefflug Akro Vorführung unseres ehemaligen Mitglieds Urs «Bübü» Bürki. Der damalige Berufsmilitärpilot zauberte in den Achtzigerjahren anlässlich des Flug-Meetings Thun eine sehenswerte Vorführung über dem Himmel der Allmend.

Das dritte Leben als A-9 / HB-UUD

Ende 2016 wurde dem Bücker Fan Club Thun rasch klar, dass die HB-UUD nicht mehr im Frondienst, wie in anderen Jahren zuvor, restauriert werden kann. Zu viele kleinere und grössere Schäden sowie der Zahn der Zeit setzten dem Gerippe des mittlerweile 79-jährigen Oldtimers zu stark zu. Während der Revision, die durch die Firmen Airmatec und ASE Consulting GmbH mit viel Liebe zum Detail äusserst gründlich durchgeführt wurde, kam die Idee auf, die HB-UUD in ihrem dritten Leben wieder im Kleid der A-9 in die Berner Oberländer Lüfte aufsteigen zu lassen.

Während dieser grossen Totalrevision machten wir die A-9 auch aus Sicht der Flugsicherheit fit für die kommenden Jahre. Ein Transponder, ein 8.33 kHz taugliches Funkgerät mit Intercom sowie ein Flarm-kompatibles Kollisionswarngerät inklusive ADSBout-Funktion machen unser neues Prunkstück nun auch gegenüber anderen Luftverkehrsteilnehmern sichtbar, obschon man dies von aussen nicht erkennen kann. Andy Schneeberger zog alle Register seiner Kunst, indem er sämtliche Antennen geschickt im Inneren des Rumpfs versteckte, ohne dass dabei die Empfangs- und Sendequalität beeinträchtigt wurde.

Am 29. März 2021 startete die A-9 zu ihrem zweiten Erstflug als A-9. Seither begeistert die rüstige Rentnerin die Aktivmitglieder des BFC Thun mit Flugleistungen, die uns alle erstaunen liessen. Mittlerweile absolvierte die A-9 trotz dieses «Hudel-Summers» schon wieder weit mehr als 30 Flugstunden. 

Am Nachmittag des 7. August 2021 feiern wir den Beginn des dritten Lebens der A-9 im Rahmen eines kleinen Festes, wo sicherlich auch die Möglichkeit eines kurzen Rundfluges gegeben sein wird. Dabei wird beim Flugplatzbeizli auch ein kleiner Stand mit diversen Erinnerungsstücken der HB-UUD vorhanden sein, die von Fans und Flugbegeisterten käuflich erworben werden können und dadurch mithelfen, unseren Verein zu unterstützen. «Chömet cho luege, es het für jede öppis…»

1 thought on “Die drei Leben der A-9 des Bücker Fan Clubs Thun”

  1. Herzliche Gratulation für diese Leistung! Zu Ihrer Info: unser PILATUS PORTER PC6 350/H2 S/N 540 YETI, der Einzige fliegende Porter mit Kolbentriebwerk der Welt, wird nach ebenfalls ca. 5500 Arbeitsstunden wieder in die Lüfte entschweben! Standort: Bleienbach-Airport.

    Es grüsst herzlich
    YETIFLYERS GmbH
    Hangar 18/Tor 8
    3368 Bleienbach
    http://www.yetiflyers.ch

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